Studie zeigt: Pornos sind nicht ursächlich für Erektionsstörungen

Pornos schauen

Forscher einer US-Universität haben in einer neuen Studie den Zusammenhang zwischen Pornos und Erektionsproblemen untersucht. Die Ergebnisse lassen alle Konsumenten von erotischer Erwachsenenunterhaltung aufatmen.

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Führt Pornokonsum zu Erektionsstörungen?

Ein weit verbreiteter Mythos: Wer zu viele Pornos konsumiert, bekommt Probleme mit der Erektion. Der medizinische und sexualpsychologische Fachbegriff lautet „erektile Dysfunktion“. Doch gibt es tatsächlich einen Kausalzusammenhang zwischen erotischer Erwachsenenunterhaltung und dem Stehvermögen des besten Stücks von Männern?

Dieser Frage ist nun Eric Jannsen, Forscher des Kinsey Instituts der Universität Indiana in den USA und Professor im Fachbereich für Neurowissenschaften der belgischen Universität Löwen, mit seinem Team nachgegangen. Zu den Probanden gehörten 211 homosexuelle Männer. Eine Gruppe, die in der Vergangenheit, insbesondere in Zeiten vermehrter HIV-Fälle, aufgrund von Hypersexualität und riskantem Sexualverhalten schon oft untersucht wurde. Allerdings gebe es laut David J. Ley von der Fachzeitschrift „Psychology Today“ keinen Unterschied zwischen der Funktionsweise von Penissen heterosexueller und homosexueller Männer. Für die Ergebnisse ist die sexuelle Orientierung der Untersuchungsteilnehmer also kein entscheidender Faktor.

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So lief die Untersuchung ab

Zunächst wurden klinische Befragungen und Fragebögen dafür verwendet, Untersuchungsteilnehmer, die bereits mit Erektionsstörungen zu kämpfen hatten, von denen ohne jegliche Probleme dieser Art zu unterscheiden. Man stellte fest, dass das Verhältnis 81 (mit Erektionsproblemen) zu 130 (ohne Erektionsprobleme) beträgt.

Anschließend bekamen die Probanden zum einen unverfängliche Video-Clips gezeigt, die so zusammengestellt waren, dass sie negative oder positive Reaktionen auslösen. Und zum anderen pornografisches Filmmaterial, dass für sexuelle Erregung sorgen sollte. Währenddessen wurden die Penisse mit Geräten überwacht, um die Reaktionen auf das gesehene Bewegtbildmaterial zu beobachten. Außerdem führte man Interviews durch, um näheres über die Häufigkeit des Pornokonsums der Teilnehmer zu erfahren.

Kein Zusammenhang zwischen Pornokonsum und Erektionsstörungen

Das Ergebnis lautet: Die 81 Männer, die in der Vergangenheit schon Erfahrungen mit Erektionsproblemen hatten, reagierten im Schnitt nicht anders auf die Videoausschnitte als die übrigen 130. Auch zwischen den Männern, die in den Interviews angaben, regelmäßig Pornos zu schauen, und denen, die das nicht tun, unterschied sich die Reaktion nicht signifikant. Somit zeigt die Analyse, dass es keinen statistischen Zusammenhang zwischen Pornokonsum und erektiler Dysfunktion gibt.

In der Studie konnte nur ein Faktor festgestellt werden, über den sich die Wahrscheinlichkeit auf eine Erektion zumindest ungefähr voraussagen ließ. Nämlich die sexuelle Erregbarkeit (im Original „sexual excitation“). Dieser Faktor beschreibt, wie ausgeprägt bei einer Person die Fähigkeit ist, erotisch „angeturnt“ zu sein. Oder anders formuliert, wie schnell jemand sexuelle Erregung empfindet. So haben deutlich mehr Probanden, die gesagt haben, relativ schnell erotisch erregt zu sein, eine Erektion bekommen.

Verschiebung der Betrachtungsweise

Aber wenn Pornos nicht ursächlich für Erektionsstörungen sind, was dann? Laut Ley von „Psychology Today“ liegt das auf der Hand. Anstatt immer nur den Pornokonsum zu verfluchen, sei es weitaus sinnvoller, den Blick auf Ängste und die Einstellung gegenüber Beziehungen zu richten. Man müsse überprüfen, wie Männer, die an Erektionsstörungen leiden, die eigene Sexualität und sexuelle Erregbarkeit wahrnehmen und gegebenenfalls Hilfe leisten. Außerdem solle man Betroffene dabei unterstützen, zu erkennen, dass ihre Sorgen, Ängste und Scham vermutlich die Ursache für ihre Erektionsstörungen sind.

Damit fordert Ley, dass die Betrachtungsweise verschoben wird – von Pornos hin zu der Person selbst, die Probleme mit der eigenen Erektion hat. Für ihn sei das deutlich ergiebiger, als weiterhin an irgendwelche haltlosen Mythen wie etwa dem Zusammenhang von Pornos und Erektionsstörungen festzuhalten.

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