Antibabypille für den Mann besteht erste Testphase

Antibabypille für den Mann

Verhütung ist auch heute noch meist Frauensache. Das liegt daran, dass viele Männer ein Kondom als unbequem empfinden. Regelmäßig eine Antibabypille einnehmen zu müssen, scheint deshalb die angenehmere Lösung zu sein. Schon bald könnte es diese jedoch nicht mehr nur für die Frau geben. Die Pille für den Mann hat sogar bereits die Testphase bestanden.

Verhütung bald nicht mehr nur Frauensache?

Nachdem vor rund einem Jahr ein erster Wirkstoff gefunden wurde, der die Antibabypille für den Mann endlich möglich macht, ist US-Forschern auf dem Gebiet nun ein weiterer Durchbruch gelungen. Es konnte ein zweites synthetisches Hormon entwickelt werden, durch das Verhütung künftig womöglich keine reine Frauensache mehr ist.

Das neue Verhütungsmittel wurde sogar schon erfolgreich getestet. Eine Markteinführung ist also nur noch eine Frage der Zeit. Dies schreibt Endocrine Society, eine US-amerikanische Organisation für Endokrinologie und Metabolismus, in einer Presseerklärung. Für Männer bedeutet das, dass es schon bald keine Ausreden mehr geben könnte. Wer sich immer hartnäckig gegen die Benutzung eines Kondoms gewährt hat, wird dann nämlich als Verhütungs-Alternative eine Pille schlucken können.

Tests zeigen sinkenden Testosteron-Spiegel

11-Beta-Methyl-19-Nortestosteron-Dodecylcarbonat, oder kurz 11-Beta-MNTDC, heißt der Wirkstoff, den die amerikanischen Forscherinnen Stephanie Page und Christina Wang zur hormonellen Schwangerschaftsverhütung des Mannes im Labor zusammenstellen konnten. Bei dem Mittel handelt es sich um ein modifiziertes Testosteron, das die Hormon-Aktivitäten von Androgen und Progesteron, zwei männlichen Sexualhormonen, verbindet. In der Presseerklärung von Endocrine Society erklärt Wang: „Unsere Ergebnisse legen die Vermutung nahe, dass die Männerpille, die zwei hormonelle Aktivitäten miteinander kombiniert, die Spermienproduktion vermindert, zugleich aber die Libido aufrechterhält.“

An der Testphase des Medikaments in Washington nahmen 40 gesunde Männer teil. Über einen Zeitraum von 28 Tagen schluckten 30 von ihnen die Pillen in unterschiedlichen Dosierungen, die restlichen 10 bekamen täglich eine Placebo verabreicht. Untersuchungen nach Beendigung der Testphase ergaben, dass der Testosteron-Spiegel der Männer, die das richtige Mittel zur Schwangerschaftsverhütung einnahmen, unter das Normalmaß gesunken war. Weitere Sicherheitstests sind bereits in Planung, um die Wirksamkeit von 11-Beta-MNTDC auch über einen längeren Zeitraum als 28 Tage nachzuweisen.

Kaum Nebenwirkungen in Testphase festgestellt

Die Tests der Männerpille ergaben nur geringe Nebenwirkungen. Vereinzelt berichteten die Testpersonen von Akne, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Rückgang der Libido und Potenzproblemen, jedoch jeweils nur schwach ausgeprägt. Niemand brach aufgrund der Nebenwirkungen die Testphase für das Medikament ab.

Die möglichen Nebenwirkungen der Männerpille sind also im Verglich mit denen der Antibabypille für die Frau, die deutlich schwerwiegender ausfallen können, zu vernachlässigen. Selbst die Männer, die in den Tests über Potenzprobleme klagten, konnten darüber hinwegsehen. Denn lediglich ihr Geschlechtstrieb war ein wenig gemindert, ihre sexuelle Aktivität hingegen kein bisschen.

Noch zehn Jahre bis zur Markteinführung der Antibabypille für den Mann

Wann die Pille für den Mann marktreif ist, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. Die Wissenschaftler rechnen jedoch damit, dass bis zur Markteinführung noch rund zehn Jahre vergehen werden. Bis dahin ist es notwendig, dass die Wirksamkeit der Männerpille in umfangreichen Tests, die über mehrere Monate andauern, festgestellt wird. Angedacht sind Untersuchungen über mindestens 60 bis 90 Tage, da das der mutmaßliche Zeitraum ist, ab dem sich eine Einnahme der Pille merklich auf die Spermienproduktion des Mannes auswirkt. Eine 28-Tage-Studie reicht nicht aus.

Studienleiterin Page erklärt: „Das Ziel längerer Tests ist es, einen guten Mittelweg zwischen möglichst geringen Nebenwirkungen und höchster Effektivität zu finden.“ Dabei sollen zunächst nur Studien mit Einzelpersonen durchgeführt werden. Erst wenn diese positive Ergebnisse hervorgebracht haben, plant man, die Auswirkungen der Männerpille konkret auf die sexuelle Aktivität von Paaren zu untersuchen. Sind diese ebenfalls von Erfolg gekrönt, steht einer Markteinführung nichts mehr im Wege. Es kann also noch einige Zeit dauern, bis Schwangerschaftsverhütung nicht mehr nur Frauensache ist.

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